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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Mit grünem Wahnsinn sind ausnahmsweise nicht die oliv-grünen Chem-Trails gemeint, sondern eine falsche Vorstellung davon, wie Golfplätze auszusehen haben. Die Augusta-Problematik habe ich bereits 2005 im "Weg der weißen Kugel" (S.241) anmoderiert, weshalb es mich besonders freut, wenn "Rasenfuchs" Norbert Lischa den Konflikt zwischen Platz-Optik und Ökologie fachkundig aufgreift.  (ep)

Kennen Sie  Augusta, das für viele „blendende“ Beispiel für einen gepflegten Golfplatz?

Schon vor der Osterzeit bringen viele die USA oder den Süden Bereisende den (Alp)- Traum von quietschgrünen und übermanikürten Rasenflächen mit nach Hause - mit negativen Folgen!

Die  Vorstellung, der eigene Golfplatz möge die gleichen Bedingungen für das vermeintlich bessere Spiel liefern, bringt den Greenkeeper hierzulande in große Bedrängnis, fordern die Golfer Ihm doch etwas ab, was, nachhaltig gedacht, immer tiefer ins Verhängnis führt:

Wurden auf den meisten Neuanlagen aus ökologischer und ökonomischer Sicht noch mit Bedacht Agrostis/Festuca Gräser gewählt, so sind diese auf Grund der grünen Wahnvorstellung, (welcher der Greenkeeper nachzukommen versucht, um die Mitglieder zufrieden zu stellen), meist nach ein paar Jahren wieder verschwunden. Dafür übernimmt nun das dominante einjährige Rispengras (Poa Anua) auf dem Großteil der Golfplätze die Herrschaft und diktiert dem Greenkeeper die Pflege. Eine fatale Entwicklung nimmt Ihren Lauf.

Die Erklärung liegt für den Fachkundigen auf der Hand:  wer sich grüne Rasenflächen wünscht, setzt in der Regel vor allem auf Dünger, Wasser und Chemie. Genau hier aber steht der verantwortungsbewusste, nachhaltig denkende Greenkeeper vor einem Dilemma:

Beglückt er den Golfer kurzfristig, lässt er außer Acht, dass unnötig Ressourcen verbraucht und langfristig die falschen Gräser gestärkt werden. Folgt er seinem Gewissen gegenüber der Natur und deren ökologischen Anforderungen, wird er eine andere, vielleicht zunächst unbequemere Entscheidung treffen. Es gibt Aufklärungsbedarf! Ändert der Greenkeeper seine bisherige Arbeitsweise nicht, treffen die Golfer schon bald  erschwerte Bedingungen an: weiche Puttflächen und langsame Grüns machen das Spiel weniger attraktiv als es eine nicht ganz so grüne Fläche tun würde. 

Bei dem Wunsch nach einer guten Puttfläche ist für den Golfer lohnenswert zu wissen: Erfüllt der Greenkeeper die Vorstellung von saftigem Grün, bleibt die Qualität des Rasens in der Regel nachhaltig auf der Strecke, denn diese Vorgehensweise fördert vor allem das krankheitsanfällige und im Frühjahr zur Blüte neigende einjährige Rispengras (Poa Anua). Obendrein kommt der manchmal jährlich bis zu 15malige chemische Einsatz, um genau dieses (eigentlich unerwünschte!) Gras vor dem Totalausfall zu bewahren, also die selbst mit verursachten Schadstellen zu bekämpfen. Nicht nur im Frühjahr 2010 entstanden dadurch bedingt für die Clubs zusätzlich erhöhte Kosten für die mechanische Pflege sowie ein Mehraufwand für Dünger, Wasser und Chemie.

Dies alles kann weder im Sinn der Mitglieder, Vorstände und der Golfverbände im In- und Ausland  sein.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen bedarf es eines immensen und gezielten Einsatzes, wie zum Beispiel Handwässern. Dies ist jedoch nur von ausreichend besetzten Greenkeeping Teams zu leisten. In der Regel wird aber genau hier gespart…

Bleibt die Frage, was passiert, wenn die EU in absehbarer Zeit die Chemie von den Golfplätzen verbannt, so wie nationale Behörden dies schon in den Niederlanden und in Dänemark als Gesetz verabschiedet haben. Was sicher bevorsteht, sind Restriktionen im Wasserverbrauch. Da fehlt es uns an  Argumenten, die weiterhelfen könnten. Als logische Konsequenz bleibt für den Greenkeeper nur die Umkehr zu mehr Nachhaltigkeit, Ökologie und Ökonomie in der Golfplatzpflege. Für den Golfer ergibt sich  daraus eine neue Farbpalette, eine Mischung aus grün, gelb und braun als Rasenfarbe, die in der Regel bessere Puttflächen sowie eine gesunde alternative zum grünen Wahn bietet!

Norbert Lischka,
Master-Greenkeeper,  
Hamburg

 

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