26.04.2018 - 02:17 Uhr

Ein interessanter Text von "Rasenfuchs" Norbert Lischka. Etikette - klar - großes Thema allerorten, aber was die Einhaltung der Etikette für den Greenkeeper und sein verfügbares Zeitkontingent bedeutet, das ist mir in der Form bisher nicht bewusst gewesen. (ep)

Ein Greenkeeper macht seinem Namen alle Ehre: Allzu gerne ist er bereit, Ihnen das Spiel auf dem Golfplatz so angenehm wie möglich zu gestalten. Dabei besteht seine Hauptaufgabe eigentlich darin, bereits im Morgengrauen Grüns abzutauen, zu mähen, Löcher zu versetzen sowie zu spiken, zu topdressen und vieles mehr zu tun, damit Sie sich auf einen gepflegten Platz freuen können.

Sind alle Dinge verrichtet, kann der Spaß beginnen. Wenn denn da nicht Kleinigkeiten wären, die genau diesen behindern: unzureichend oder gar nicht ausgebesserte Pitchmarken, schlecht geharkte Bunker, herumliegende Bälle auf Pitch- und Puttinggrün, Zigarettenkippen und noch manches andere  störende Detail.

So geschieht es, dass der Greenkeeper ins Nachdenken gerät: soll er seine Prioritätenliste ändern, um die eigentlich zur Etikette gehörenden Dinge  (und damit eigentlich nicht in den Arbeitsbereich des Greenkeepers fallenden Arbeiten) zu erledigen? Dann bleibt für die vorgegebenen Tätigkeiten weniger Zeit als bemessen.

Wir laden Sie deshalb ein, einen vielleicht anregenden Blick auf alltägliche Gegebenheiten zu richten, die im beiderseitigen Interesse beachtenswert erscheinen. Meistens sind es die kleinen Handgriffe, die das Golfer- und Greenkeeperdasein erleichtern würden.

Fangen wir da an, wo es am wichtigsten ist, nämlich auf dem Grün und um dieses herum.

Die Lochkante wünschen wir uns ohne Beschädigung, da eine solche den Ball zum Auslippen bringen kann. Das gelingt problemlos, wenn der Ball mit der Hand (und nicht mit dem Putterkopf !) aus dem Cup geholt wird. Die Fahnenstange will derweil mit Bedacht aus dem Cup gezogen, sorgfältig auf dem Grün abgelegt und später wieder vorsichtig zurückgestellt sein.

Es lohnt sich, vor dem Putten auf dem Grün zunächst die eigene Pitchmarke zu suchen, um diese auszubessern. Wenn sie denn nicht aufzufinden ist, beseitige man eine andere in korrekter Weise, also durch Zurückziehen oder Zurückschieben (nicht anheben oder umgraben!). Eine gute Anleitung findet sich unter www.PitchPin.de. Diese lästigen Spuren der Vorgänger sollten unsere Nachfolger nicht beim Spiel beeinträchtigen!

Hohes Roughswill uns mit seinem gepflegten Aussehen erfreuen. Das gelingt ihnen am besten, wenn wir nicht mit Trollies oder Elektrowagen durch sie hindurch fahren. Auch sonst will das gute Gras geschont werden. Darum sollte es eine gute Angewohnheit sein, mit den Trollies einen Mindestabstand zu halten: 3m zur Grünkante und 2m zur Bunkerkante. Dass man nicht zwischen Bunker und Grün hindurch zieht, sollte selbstverständlich sein.

Um das Verdichten von Stellen auf dem Putting Grün zu vermeiden gilt als Faustregel: maximal 5 Minuten an einer Stelle üben. Der Nachfolger wird es ihnen danken!

Ob es wohl möglich sein könnte, Zigarettenkippen in dem speziell dafür vorgesehen Kippenbecher am Trolly zu entsorgen? Oft werden die Cups dazu zweckentfremdet. Wem macht es schon Freude, sie darin oder auch in Bunkern zu finden?

Das zugegebenermaßen lästige Einsammeln der verwendeten Rangebälle auf Putting- und Pitchinggrüns ist für Nachfolger (Spieler oder Greenkeeper) eine noch weniger geliebte Aufgabe als für einen selbst. Ballkörbe und –automaten freuen sich auf Zuwachs! Wie nur könnte es geregelt werden, dass jeder (Spieler und Greenkeeper) ein freies Grün vorfindet?

Es ist für ein Tee ein fragwürdiges Vergnügen nach der Benutzung liegengelassen zu werden. Oft gelangt es in eine Maschine – Welch große Erleichterung, wenn sich ein Greenkeeper des kleinen „Störenfrieds“ erbarmt und ihn aus seiner misslichen Lage befreit – viel lieber wäre es ihm, sofort nach Gebrauch wieder eingesammelt zu werden. Grundsätzlich ist es besser, wenn es aus Holz (und nicht aus Plastik) gefertigt ist. Das ist umweltfreundlicher und mindert den eventuellen Verschleiß der Mäheinheiten.

Ein Divot hat Extrawünsche: 

·       auf den Abschlägen darf es nicht zurückgelegt werden,

·       auf dem FW hingegen erfreut es sich an besonderer Zuwendung: man bringe es an seine alte Stelle zurück und trete es behutsam fest.

·       Auf der Range wiederum braucht es Abstand zu seinem Nachbarn. Damit der eingebrachten Mischung aus Boden und Saat ein schnelleres Keimen des Saatkornes gelingen kann, sorge man dafür, dass zwischen den heraus geschlagenen Divoits immer ein Stück Rasen stehen bleibt.

Ein mit Sorgfalt geharkter Bunker erfreut jeden Golfer, der seinen Ball dort liegend findet. Wollen wir dem Nachfolger (Golfer oder Greenkeeper) eine Freude bereiten, sorgen wir dafür, dass wir unsere Spuren gleichmäßig einebnen. Dazu sei der Bunkerharkenstiel mit beiden Händen festgehalten. Die Bunkerkante will frei von Sand sein. Ein Harken oder Darüberziehen führt zum Absterben der Gräser. Ein unschöner Nebeneffekt: die Bunkerkante verliert dadurch ihre Begrenzung. Übrigens: Die am wenigsten steile Flanke ist die beste zum Ein- oder Aussteigen in den bzw. aus dem Bunker.

Im eigenen Interesse, damit es auch in Zukunft gepflegte Golfplätze geben kann:

Steckt die Fahne des Grüns, das Sie anspielen wollen, nicht im Cup, könnte sich auch ein Greenkeeper bei der Arbeit befinden. Soll er auch in Zukunft seine Tätigkeit  für Sie verrichten, ist es gesundheitsfördernd „Fore“ zu rufen und auf sein Handzeichen zum Anspielen zu warten. Auch ein „Danke“ wird gern entgegengenommen.

In diesem Sinne: Für Ihr Verständnis herzlichen Dank!

Norbert Lischka

Master Greenkeeper,

Hamburg April 2011

 

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