22.07.2019 - 13:55 Uhr

Während wir uns in den vergangenen Jahren sehr regelmäßig mit den unterschiedlichen Balltypen auf dem Markt und deren Eignungszweck für die Golfer beschäftigt haben, wollen wir in dieser Ausgabe einen kleinen Blick auf den Zusammenhang zwischen der Entwicklung im Ballbereich und den Reaktionen der Schläger- und Schafthersteller werfen.

In den ganz frühen Tagen des Golfspiels waren alle Bälle Einzelanfertigungen aus einer Lederhülle, die fest mit Hühner- oder Gänsefedern gestopft und abschließend meist weiß angemalt. Die Fertigung dieser Bälle erfolgte in kleinen Manufakturen und natürlich wurden sie von den Golfern wie kleine Schätze gehütet. Allerdings hatten diese Bälle aufgrund der Fertigungsweise natürlich einige Nachteile. Es war sehr schwer, sie perfekt rund zu bekommen und natürlich reagierten sie auch mit Längenverlust auf Regennässe. Trotz allem dauerte es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, bis sich eine bessere Alternative auf dem Markt etablieren konnte. Der sogenannte Gutta-Percha  oder auch Guttie wurde aus dem Harz/Baumsaft einer tropischen Pflanze gewonnen.  Die Vorteile lagen auf der Hand: Einfachere Produktion und die Möglichkeit, den Ball wieder rund zu pressen, wenn er sich beim Spiel verformt hatte. Per Zufall stellten die Spieler fest, dass sich kleine Scharten und Schrammen positiv auf die Aerodynamik auswirkten, so dass in der Folge die Bälle per Hand mit diversen Schnittmustern versehen wurden, um diesen Effekt auszunutzen.

Die nächste Stufe der Golfballentwicklung waren dann die gewickelten Gummibälle, die entweder einen soliden Kern oder eine Flüssigkeitsfüllung hatten. Diese Bälle wurden mit einer Hülle aus Balata versehen – wieder ein Naturprodukt. Sie spielten sich sehr weich, vertrugen sich noch gut mit den klassischen Vollholz Hölzern, waren sehr Spin freudig, aber nicht sehr haltbar. Mit einem leicht dünn getroffenen Wedge war das Lebensende eines klassischen Balata Balles meist besiegelt. Insofern war schnell klar, dass auch diese Entwicklungsstufe noch Optimierungsbedarf hat.

Auch aufgrund mehrerer Probleme mit den flüssigkeitsgefüllten Spielgeräten wurde die Entwicklung von Bällen mit einem soliden Kern vorangetrieben und Mitte der 1960er Jahre kamen von der Fa. Spalding die ersten relevanten Modelle auf den Markt. Diese waren allerdings nicht perfekt für die klassischen Hölzer geeignet, was sich wiederum auf die Schlägerentwicklung auswirkte. Anfang der 1970er Jahre kamen die ersten Metall-Hölzer auf den Markt und sind heutzutage die dominante Konstruktionsform. Während anfangs hier noch Aluminiumlegierungen eine Rolle gespielt haben, wurde schon bald darauf der Fokus auf Titan, Edelstahl und Carbon ausgerichtet.

Vergleicht man aktuelle Golfbälle mit historischen Produkten, so stellt man fest, dass diese sich komplett unterschiedlich verhalten. Frühere Bälle nahmen sehr viel Spin an, was dazu führte, dass vor allem beim Driver sehr wenig Loft verwendet werden musste, um sinnvolle Längen zu erzielen. Die klassisch erwünschte Driverflugkurve von früher (flacher Ballstart, dann Höhengewinn durch Spin und damit möglichst gute Carrylängen) ist in einem heutigen Fitting der absolute Albtraum. Die modernen Bälle fordern einen deutlich höheren Ballstart, nehmen weniger Spin an und sollen genau dieses Hochschrauben vermeiden, da eine solche Flugkurve kaum noch Roll generiert aufgrund eines sehr steilen Landewinkels des Balls. Während also früher Driver mit 7° und 8° Loft auf den Profitouren der Normalfall waren, greifen selbst ausgesprochene Longhitter auf den Profitouren  – auch aufgrund der aktuellen Golfbälle – zu Drivern mit 10.5° Loft und mehr, um einen möglichst optimalen Ballflug erzeugen zu können.

Auch im Schaftbereich haben sich durch die Bälle Änderungen ergeben. Es gibt heute wesentlich mehr Schäfte, die einen vergleichsweise aktiven Tipbereich haben, um Höhe und Spin zu generieren, als das früher der Fall gewesen ist. Auch hierbei handelt es sich um eine Reaktion auf den teilweise sehr geringen Spin, den moderne Golfbälle erzeugen. Trotz allem sind diese Schäfte – zumindest die hochwertig produzierten – aufgrund der zur Verfügung stehenden Materialien so stabil, dass sie auch von Spielern mit sehr hohen Schlägerkopfgeschwindigkeiten nicht aus der Ruhe zu bringen sind. 

Bei der Auswahl ihres Balles und des passenden Materials sollten sie sich immer Zeit nehmen. Einiges vergleichen und den unserer Meinung nach sinnvollsten Weg vom Grün zurück zum Abschlag nehmen. Testen sie ihre möglichen Kandidaten also erst beim Putten, dann mit den Wedges und erst ganz am Ende des Auswahlprozesses auf dem Platz mit Eisen und dem Driver. So ist gewährleistet, dass ihr Lieblingsball in allen Kategorien ihren Vorstellungen entspricht.

Mit sportlichen Grüßen

Michael Welwarsky

Clubmate Golf by Fitting Factory
Darmstädter Str. 33
D-64319 Pfungstadt-Eschollbrücken
Telefon: 06157-80366-40
http://clubmategolf.com/

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