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Auszug aus "Der Weg der weißen Kugel" von Eugen Pletsch

Nicht ohne Grund widmet sich Ihr Regelbuch ausführlich dem, was im Golfspiel offiziell als „Etikette“ definiert wird. Die Etikette regelt Sicherheit und Rücksichtnahme, sowie Fragen der Spielreihenfolge auf dem Platz.

Je mehr Sie über die Etikette und die Golfregeln wissen, umso besser werden Sie sich im Stress der ersten Turniere behaupten können. Sie haben eine Menge Rechte, die Ihnen in einem Turnier sehr helfen können, sofern Sie diese Rechte kennen. Aber selbst wenn Sie Regeln gut kennen, ist es immer noch eine Frage der Praxis, herauszufinden, welcher Begriff bzw. welche Regel im speziellen Fall zur Anwendung kommt. Also versäumen Sie keine »Regelabende« in Ihrem Club, wo diese Zusammenhänge (hoffentlich) praxisnah erklärt werden. Dann bauen Sie auch nicht so viel Bockmist. Lesen Sie auch öfter in Ihrem Regelbuch!

Worauf wäre zu achten? Fangen wir beim Training an: Auf dem Putting Grün spielen Sie nur mit eigenen Bällen. Chippen Sie nur dann auf das Putting-Grün, wenn es ausdrücklich gestattet ist (den Pro fragen) und auf keinen Fall dürfen Sie hier pitchen!

Für die hohen Annäherungsschläge habe die meisten Clubs ein Pitching-Grün. Auf dem simuliert man die Spielsituation, den Ball von außerhalb des Grüns möglichst nahe an die Fahne zu spielen. Meist gehört ein Übungsbunker dazu, in dem die Sandschläge trainieren werden. Die Bunker am Übungsgrün (und natürlich auch auf dem Platz) werden nach Gebrauch glatt gerecht.
Beim Pitchen und bei Bunkerschlägen stellt man sich nicht gegenüber auf, sondern seitlich zu den anderen Übenden! Ihr nett gemeinter Versuch höfliche Distanz zu wahren, indem Sie sich gegenüber platzieren, führt nämlich oft dazu, dass Ihr Gegenüber nicht mehr durchschwingt, sondern zu toppen beginnt und was schnell gefährlich werden kann.

Weder auf der Range noch auf dem Platz schlagen Sie nach dem Ball, wenn Sie jemanden treffen könnten (Verursacherprinzip in der Rechtsprechung!). Wenn jemand »Fore« brüllt, heißt das: »Deckung!«

Also los, jetzt geht es auf den Platz. Haben Sie eine Startzeit? Es gibt Clubs, die alle acht Minuten Vierergruppen ins Verderben schicken und andere, auf denen man ohne Startzeit loslegen kann, wenn der 1. Abschlag frei ist. Informieren Sie sich!
Bevor Sie zum Abschlag gehen, sollten Sie Ihre Tees, eine Pitchgabel und den Ballmarker in der Hosentasche spüren, oder gedenken Sie, die erst aus dem Bag zu fummeln, während ich meinen Rückschwung einleite? Und noch ein Hinweis, damit wir Freunde bleiben: Bitte kein Kleingeld in die Hosentasche und falls Ihr Ballmarker und Ihre Pitchgabel aus Metall sind, dann heben Sie die bitte in getrennten Taschen auf, denn dieses Geklimper nervt!

Übungsschwünge auf den Abschlägen sind generell nicht erwünscht! Dazu stellen Sie sich seitlich oder hinter dem Abschlag auf. Ein Probeschwung hat nichts mit Ihrer Pre-Shot-Routine zu tun, die Sie sehr wohl auf dem Tee durchführen dürfen. Ansonsten bitte am Abschlag die Klappe halten, nachdem Sie allen ein gutes Spiel gewünscht haben.

Generell sollten Sie keine Schläge Ihrer Mitspieler kommentieren. Wenn ein guter Spieler 240 Meter links in den Wald gehookt hat und vor Wut platzen könnte, dann will er kein nett gemeintes Lob wie »Klasse Schlag« oder »Mordsschuss« von Ihnen hören, nur weil Sie erstaunt sind, dass ein Ball weiter als 100 Meter fliegen kann.

Wenn Ihr Schlag einen vollkommen anderen Flugverlauf nimmt, der –  für Sie nicht einsehbar – andere Spieler gefährden könnte, dann nuscheln Sie nicht rum, sondern brüllen Sie laut »Fore«. Fooohhrr!!! Wenn ein Mitspieler starr vor Schreck ist, weil er zum ersten Mal in seinem Leben vom Tee den Ball richtig getroffen hat, und der sich auf den Weg macht, die Gruppe, die hundert Meter vor Ihnen spielt, zu zermalmen, dann brüllen Sie für ihn laut Fooohhrr! Das ist keine Schande. Eine Schande ist es nur, wenn Sie nicht brüllen!
Divots, also die Grasbutzen, die beim Schlagen nach dem Ball entstehen und manchmal weiter als Ihr Ball fliegen, legen Sie bitte wieder zurück, die Erdseite nach unten und treten Sie fest. Das gilt übrigens auch für Senioren!
Man fährt nicht mit dem Trolley über das Vorgrün oder Grün, und es werden darauf auch keine Taschen abgelegt. Bitte stellen Sie Ihre Golftasche in Richtung zum nächsten Abschlag ab. Sie haben genug Zeit dafür, auch wenn Sie im Grünbunker liegen. Es gibt tatsächlich immer wieder Trottel, die, nachdem das Loch beendet wurde, zurücklaufen müssen, um ihre Karre zu holen. Spikemarken, kleine Löcher im Rasen, die entstehen, wenn Sie mit dem Spike im Gras hängen bleiben, werden mit dem Putter festgedrückt (was auf Ihrer Puttlinie während eines Turniers nicht gestattet ist – nur Pitchmarken dürfen repariert werden!).
Pitchmarken (Balleinschlagslöcher), auch die von anderen, werden auf dem Grün grundsätzlich ausgebessert. Die Pitchgabel, die Sie in jedem Proshop bekommen, schieben Sie schräg von mehreren Seiten unter den Balleindruck, heben leicht an und lockern die Erde, bis der Eindruck flach ist. Dann drücken Sie die Erde wieder mit dem Putter fest. In manchen Clubs scheint die Vereins-Pitchgabel bei einem Auswärtsturnier verloren gegangen zu sein. Wenn zwei Turbocracks aus der 1. Mannschaft mal eben eine schnelle Runde spielen und das Grün hoch anpitchen, entstehen diese Pitchmarken. Aber die jungen Herren rechnen dann gerade aus, wer wem einen Euro schuldet, und da hat man dann so ein kleines Loch schnell aus dem Auge verloren. Diese Arbeit erledigt dann ein verängstigter VcG-Spieler, der die Grüns nachts gegen doppeltes Greenfee nach Schnecken absuchen darf.

Die Linie zwischen Ball und Loch, die sich aber auch über das Loch hinaus erstreckt, nennt man die Puttlinie. Dies ist nicht unbedingt die gerade Verbindung der beiden, sondern die vermutlich zu spielende Linie. Bevor Sie auf dem Grün Ihren Ball aufheben, wird dieser mit einem Ballmarker oder einer Münze, die hinter den Ball gelegt und leicht festgedrückt wird, markiert. Achten Sie darauf, diese vermutlichen Putt-Linien nicht zu zertrampeln. Bitte nutzen Sie einen flachen Ballmarker oder eine helle, sichtbare Münze (z.B. 1 Euro). Die Fummelei an Ihrem Handschuh, um den Ballmarker-Knopf abzureißen, kostet Zeit und nervt.

Es ist auch nicht erwünscht, dass Sie beim Putten oder irgendeinem anderen Schlag Ihrer Mitspieler in deren Gesichtsfeld stehen, schnäuzen, nach einem Schlüssel kramen, mit dem Kleingeld klimpern, das Sie heute schon gewonnen haben, oder, während andere noch putten, in Startposition hinter dem Grün mit Ihrem Trolley rumzappeln, nur weil Sie zufällig zum Birdie eingelocht haben.

 (Meine Flightpartner haben sich mittlerweile angewöhnt, am Grün, seitlich außerhalb meines Blickwinkels, schweigend auf allen vieren mit dem Hintern zum Grün zu verharren, das Gesicht zu Boden. Wobei sie nicht den Atem anhalten dürfen, sondern leise durch die Nase atmen. Trotzdem kann eine Boeing auf 1000 Fuß oder das Geklapper von Schmetterlingsflügeln im benachbarten Tal bei mir zu erheblichen Störungen führen.)

Wenn Sie die Gelegenheit haben, mit sehr guten Spielern auf die Runde zu gehen, werden Sie erleben, mit welcher Ruhe und Konzentration gearbeitet wird. Zwischen den Schlägen wird auch mal gesprochen oder gescherzt, ansonsten überwiegt die konzentrierte Gelassenheit guter Handwerker, die mit einer Präzisionsarbeit befasst sind.

Abends gibt es kaum etwas Schöneres auf dem leeren Heimatplatz, als eine Übungsrunde mit drei Bällen zu spielen. Das setzt aber voraus, dass Sie einen Teichhuhnblick entwickeln, bei dem der Kopf vor jedem Schlag zurückdreht und schaut, ob der Bussard von hinten kommt. Meist träumt man bei diesen Trainingsrunden vor sich hin, bis sich hinten jemand nicht mehr halten kann und »Fore« brüllt. Jetzt wird es hektisch. Sie rennen los, um rasch Ihre Bälle, die auf 150 Meter verstreut liegen, aufzusammeln. Von wegen. Treten Sie zur Seite und winken Sie durch! Etikette auf dem Platz erwartet jeder immer vom anderen. Sie erwarten, vorne durchspielen zu können und sehen nicht, dass sich hinter ihnen alles staut.

Vor Turnieren zeigt fast jeder Nerven, auch viele fortgeschrittene Spieler sind davor nicht gefeit. Es wäre also schön, wenn Sie schon vor den offiziellen Turnieren eine gewisse Spielerfahrung sammeln könnten, indem Sie sich von einem anderen Spieler auf einer ruhigen Abendrunde nach Turnierbedingungen zählen lassen. (Andere sofort durchspielen lassen!)

In manchen Clubs nehmen erfahrene Spieler (Tiger) Neugolfer (Rabbits) unter ihre Fittiche. Ich meine nicht die angemeldete vorgabewirksame Privatrunde, sondern eine entspannte Runde, auf der Sie Verhalten und Etikette auf dem Platz lernen. Danach sollten Sie den armen Tiger, der bei Ihrem Hasenrennen stundenlang gute Miene zu Ihrem bösen Spiel gemacht hat, zu Kaffee und Kuchen einladen.

Wenn alle Ihre Bälle ständig weg sind, sollten Sie begreifen, dass Ihr Pro Sie zu früh auf den Platz gelassen hat. In dem Fall üben Sie noch eine Weile auf der Range – oder kaufen Sie sich einen Hund!

Und was meint WIKI dazu?