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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen
Nach einer Woche in Saalbach-Hinterglemm führte mich mein Weg zum Posthotel Achenkirch, dem berühmten 5-Sterne-Wellnesshotel in den Tiroler Bergen, das von der Familie Reiter bereits in der 4. Generation geführt wird.
Auch dieses Hotel ist eine Erfahrung der ganz besonderen Art. Das Haus ist sehr exklusiv, die Therme hat einen geradezu mystischen Touch und bietet vielfältige Möglichkeiten der Regeneration. Da das Haus im Laufe der Jahre mehrfach erweitert wurde, brauchte ich eine Weile, um mich in der verwinkelten Anlage zurechtzufinden. Meine Partnerin dagegen fand das „Beauty&Spa“ sofort und buchte zwei Behandlungen, darunter eine Gesichtsmassage, die sie außerordentlich gut fand. Da ich noch leicht erkältet war, ging ich nicht in die Sauna, sondern genoss die Sole-Becken und Aroma-Grotten.

An unserem ersten Abend begrüßte uns der junge Herr Reiter mit seinen hübschen Mitarbeiterinnen am Eingang des Restaurants, dann wurden wir zu unserem Tisch geführt. Der Service ist überaus aufmerksam, das Buffet geradezu opulent und die Köche scheinen die Wünsche der Gäste in deren Aura lesen zu können.

Was mich jedoch besonders beeindruckte, waren die „einfachen Dinge“: Das eigene Brot, schmackhaftes Obst, die hausgemachten Suppen und das Fleisch aus der eigenen Zucht. Man konnte auf höchstem Niveau tafeln, sich problemlos nach jedweder angesagten Diät ernähren oder die bodenständige Schmackhaftigkeit einfacher und rustikaler Speisen genießen, die wie früher schmeckten, als eine Rinderbrühe noch eine Rinderbrühe war. Leider sind diese frugalen Genüsse von höchster Qualität heutzutage nur den Eliten vorbehalten, es sei denn, man ist Selbstversorger. Ich habe ein Faible für Honig und im Posthotel fand ich mein Eldorado. Zwei Tische reichten kaum aus, um die vielen Honigsorten aus aller Welt aneinanderzureihen. Langsam kam ich wieder zu Kräften.

Die Nacht war nicht so toll, wir hatten anstatt der üblichen zwei Zimmer eine Suite mit Gästebett, in dem ich nicht gut schlief. Das Bett im Schlafzimmer, das meine Partnerin benutze, war auch nur suboptimal. Im Bad roch es unangenehm, was wir auch mit der Hausdame nicht abklären konnten.*

Am nächsten Morgen, nach einem ausführlichen Gespräch mit Herrn Reiter jr., bekam ich eine leise Ahnung davon, was die Familie Reiter in Österreich stemmt. Neben dem Posthotel Achenkirch gibt es noch Reiter’s Burgenland Resort in Bad Tatzmannsdorf, sowie Reiter’s Resort Stegersbach. Es gibt es eine Inneneinrichtungslinie, eine Kosmetikserie, das Brot wird selbst gebacken und viele Produkte stammen aus der eigenen Landwirtschaft. Demnächst ist geplant, sich mit einem Energiesystem unabhängig zu machen.

Von meinem Fenster aus blickte ich auf den 9-Loch-Platz, der sich als äußerst kniffliger Bergziegen-Course herausstellte, auf dem am nächsten Tag die Tiroler Seniorenmeisterschaften stattfinden sollten. Mehr als neun Loch habe ich (konditionell) nicht geschafft und spielte dabei gerade mal Bogey-Golf. Aber man sagte mir, das wäre gar nicht so schlecht, weil man auf dem engen, schrägen Platz mit den vielen Biotopen jede Menge Bälle verlieren könnte. Meine Bogeys verdankte ich zumeist dem kurzen Spiel. Die Grüns waren ordentlich, aber da ich gerade von dem Hochgeschwindigkeitsteppich Zell am See kam, chippte ich zu zaghaft, weshalb die Kugel meist zu früh liegen blieb. Aber immerhin: Der Husten hatte nachgelassen, ich war an der frischen Luft und die Kletterei trieb meinen Puls in die Höhe.

Range_in_Achenkirch.jpg

Auf der Golfanlage von Achenkirch wird wie in Bad Tatzmannsdorf nach den Vorgaben der „Leadbetter Golf Academy“ trainiert. Als ich anfing, mich auf der Range warm zu schlagen, beobachtete ich den Pro. Er stellte einen leuchtend-roten Ball, groß wie ein Medizinball, auf die Range. Dann schlug sein Schüler in Richtung der Boje, aber es flog kein Ball, sondern der Schläger. „SWOOSCH“, sauste ein Schläger nach dem anderen über die Range.
„Wirklich beeindruckend“, sagte ich irgendwann, „was Ihr Leadbetter-Jungs Euch so ausdenkt. Ich habe schon viele Leute Schläger schmeißen sehen, aber dass man Schläger schmeißen jetzt beim Pro trainieren kann, habe ich noch nicht gehört“.  
Der Pro lachte.
Aber warum nicht? Die Welt ändert sich. Ich spiele Minigolf, Steve Williams wurde von Tiger gefeuert und die Araber buchen Regenwetter in Zell am See. Trotzdem ließ mir das keine Ruhe und so bat ich am Ende seines langen Tages um einen Gesprächstermin.
Pro Dan Jackson stammt aus England und ist im zweiten Jahr Direktor der Leadbetter Golf Academy in Achenkirch tätig. Zuvor hatte er in Bad Tatzmannsdorf gearbeitet. Das Winterhalbjahr verbringt Dan bei Leadbetter in Florida, wo er zum Beispiel auch dessen Kindern trainiert. Im Hotel hatte ich mich schon mit zwei Gästen unterhalten, die bei Dan Jackson Stunden gebucht hatten und sehr von ihm angetan waren. Er ist ein herzlicher, humorvoller Typ und machte auf mich einen sehr kompetenten Eindruck. Was das mit dem Schläger schmeißen auf sich habe, wollte ich wissen. Das hätte nichts mit Leadbetter zu tun. Er hätte diesen Trick, dem Schüler das Loslassen zu demonstrieren, bei Davids 1. Mann in Florida gesehen (Name habe ich vergessen), als der mit einem Tour-Spieler trainierte.
Sein Schüler (den ich beobachtet hatte) habe eine starke Tendenz, denn Ball nach links zu schlagen. Auch der Schläger, wenn er ihn losließ, flog 45 Grad nach links. Nach einigen Schwüngen, bei denen er den Schläger loslassen sollte, flog der korrekt, geradeaus auf den roten Ball zu. Irgendwas schien der Schüler kapiert zu haben, denn ab dann flogen auch seine Bälle geradeaus.

Ich fand es jedenfalls interessant. Wir plauschten noch eine Weile, wobei mir Dan half, meine Übungsbälle aufzusammeln. Dann hatte er Feierabend und ich trollte mich in mein Solebad, um rechtzeitig zu Seniorenclubmeisterschaft* in Winnerod wieder in Form zu kommen.
 
Eugen Pletsch
 

*Bei einem 2. Besuch war das Bett sehr gut und es gab keine Geruchsbelästigung mehr.
AuerPowerFlatCat

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