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Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Auf Einladung des Golfprofessionals Marc Amort nahm ich Mitte März 2010 an einer Golfreise auf die Hauptinsel der Azoren, São Miguel, teil.

Die Azoren sind eine weit auseinandergezogene Inselgruppe im Atlantik, westlich vom portugiesischen Festland und knapp vier Flugstunden von Frankfurt (mit der SATA Airline) entfernt. Sie setzen sich aus neun großen und mehreren kleinen Inseln zusammen.
Auf Einladung des Golfprofessionals Marc Amort besuchte ich Mitte März 2010 die Hauptinsel der Azoren, São Miguel. Ob die Azoren die letzten Reste von Atlantis sind, wissen die Götter. Die Bergspitzen eines riesigen Unterwassergebirges, das bis zu 8.000 Meter hoch ist bilden die Inselgruppe der Azoren. Bereits in der Antike wurden die Azoren von den Phöniziern besucht. Unvollständig sind die Inseln auch auf alten Seekarten des 14. Jahrhunderts erkennbar. 1427 wurden sie von Diogo de Silves im Auftrag von Heinrich dem Seefahreraufgesucht und für Portugal in Besitz genommen. Der portugiesische Name Ilhas dos Açores (Habichtsinseln) entstand (nach offizieller azoreanischer Darstellung) aufgrund der zahlreich dort lebenden Bussarde, die die portugiesischen Eroberer zunächst fälschlich für Habichte hielten. Der Irrtum wurde erkannt, aber der Name blieb.

Zwölf grüne, blühende Monate im Jahr bieten die neun Azoren-Inseln unverfälschte Natur in einer der schönsten Landschaften Europas. Ähnlich wie Irland sind die Azoren deshalb das Ziel von Individualtouristen, und ebenso wie in Irland versucht die Inselregierung, zukünftig die Attraktivität der Inseln durch verbesserte Angebote für Golfer und Wanderer zu erhöhen.

Für Golfer sind die Azoren schon lange ein Geheimtipp. Die beiden  Golfplätze der Hauptinsel Sao Miguel, Batalha (27-Loch) und Furnas, werden beide auf der Website Azores Golf Islands vorgestellt. Die Plätze sind unentdeckte Perlen des Atlantik – sehr gepflegt und abwechslungsreich, mit geradezu spektakulären Aussichten. Sie werden meist von einheimischen Spielern genutzt, wobei Gäste gern gesehen sind. Gäste genießen es, bisweilen allein und stressfrei spielen zu können, um im Geiste Walter Hagens an den Blumen zu schnuppern, um die Azaleen- oder Hortensienblüten der Platzbepflanzung zu bewundern oder um das wundervolle Panorama von grünen Gebirgskegeln und leuchtend blauem Meer zu genießen. Auch die europäische Seniorentour trifft sich im März in Batalha. 

Im Winter wurden nie weniger als 5 Grad Celsius gemessen, was den Marc Amort auf die Idee brachte, seine Schüler hierher zum Wintertraining einzuladen.

Während im Winter 09/10 viele Plätze, egal ob in der Türkei, auf Mallorca oder Südspanien in Schnee und Regen versanken, konnte Amort sein Wintertraining auf den Azoren mit insgesamt neun (!) Gruppen ungehindert durchführen. Zwischendurch schauten auch Tourspieler wie Christoph Günther und Marcel Haremza vorbei, um sich von ihrem Coach auf die Saison einstellen zu lassen.

Zwei Jahre hat Amort die Insel gründlich studiert und mittlerweile berät er die Verantwortlichen vor Ort auch in Fragen golftouristischer Entwicklung. In den Tagen, die wir dort zusammen verbrachten, zeigte sich Marc als der geborene Azoren-Scout. Er kennt die herrlichsten zudem Früchte und Blüten, die das Auge verwöhnen.

Nach unseren Golfrunden und Inselrundfahrten zeigte mir Marc die besten Fischrestaurants, von außen kaum erkennbare Geheimtipps mit Spezialitäten der Inselküche, rustikal, aber in jeder Hinsicht köstlich. Nach einer spektakulären Runde im Furnas Golfclub, den Christoph Günther als „Augusta inmitten des Atlantik“ bezeichnete, verschleppte mich Marc in ein Heilwasserbecken im Terra Nostra Garden in Furnas.

Wasser ist und war das wichtigste Element der Hauptinsel Sao Miguel. Fischreiches Meer umgibt sie, die Badenden genießen das saubere Meerwasser, Surfer dagegen die lang anrollenden Wogen der Nordküste. Der größte Schatz aber, der auch ein wichtiges wirtschaftliches Potential für die Zukunft böte, wird leider von der Inselregierung weder gewürdigt noch genutzt: Sao Miguel ist die Insel der Heilwässer, die weltweit keine Konkurrenz zu fürchten hat. Hunderte von warmen und kalten Heilquellen kann man auf der Insel finden, allein im Dörfchen Furnas sind es 42 Quellen völlig unterschiedlicher Zusammensetzung! Für viele Leiden bietet die Natur hier Linderung, was vor 200 Jahren zu einem intensiven Badetourismus führte.
Die Heilquellen von Furnas waren damals selbst im Mutterland Portugal so berühmt, daß viele Kranke von dort aus die 1400 km lange, gefährliche und unkomfortable Seereise antraten, um durch innere und äußere Wasseranwendungen in Furnas gesund zu werden. Noch heute zeugen kleine Badehäuschen mit Marmorwannen von der damaligen Blüte des Heilbades.
Doch im 21. Jhd. verordnet kein "moderner" azoreanischer Arzt mehr Wasser-Anwendungen zur Linderung eines Leidens, und die Thermalquellen werden von den Touristen lediglich als eine Möglichkeit genutzt, die müden Glieder nach Wanderungen oder ausgedehntem Golfspiel auf angenehme Weise zu wärmen und vom Muskelkater zu befreien.
Aber völlig vergessen ist heute die Heilkraft der Quellen nicht.

Im Jahre 1997 erfuhren Dirk und Barbara Petersen von der Heilwirkung der Wässer in Furnas. Die Petersens führten zu diesem Zeitpunkt seit Jahren sehr erfolgreich Regenerationskuren für gestresste und erschöpfte Manager in dem irischen Schloss Slevoyre durch. Die Slevoyre-Kurwurde damals von Magazinen wie Capital, Wirtschaftswoche, Impulse, Stern und anderen wegen ihrer tiefgreifenden Regenerationswirkung einhellig gelobt. Sie basiert auf Dirk Petersen's ungewöhnlicher Ausbildung, welche die Schulmedizin, Naturheilkunde und chinesische Medizin umfasst (er wurde der erste ausländische "Doctor of Chinese Medicine" mit Approbation der "Republik of China"). Bei der Slevoyre-Kur wird größter Wert auf medizinische Effizienz gelegt und ein deutliches Absetzten von modischen Wellness-Kuren angestrebt.
Begeistert von der Idee, die irische Kur um weitere Heilungschancen erweitern zu können, verlegten Dirk und Barbara Petersen kurzerhand ihr Kurangebot auf die Azoren und begannen, sich mit den Heilwässern und deren Geschichte zu befassen. Alte Ärzte wurden befragt, antiquarische Literatur ausgegraben, Unterlagen der Universität Ponta Delgada eingesehen, und immer wenn die Petersens einen Insulaner aus einer der Heilquellen trinken sahen, fragten sie ihn nach seinen Erfahrungen. So häuften sie inzwischen ein Wissen über dieses Gebiet an, das sie heute zu den besten Kennern der Behandlungsmöglichkeiten durch die Heilquellen von Furnas macht.
Bereichert um Thermalanwendungen und die Möglichkeit, für fast jedes Leiden ein Heilwasser als Gesundheitsgetränk anbieten zu können, wurde die ursprüngliche Regenerationskur nun Slevoyre-Thermal-Kur genannt. Sie wird in einem der schönsten Parks Europa's, dem Terra Nostra Park durchgeführt.

Der Terra Nostra Park wurde um 1800 von dem damaligen amerikanischen Vizekonsul Thomas Hickling angelegt, der erkannte, dass im Tal von Furnas, das in einem erloschenen Vulkan liegt, ganz besondere klimatische Verhältnisse bestehen. Hier schaffen die warmen und kalten Quellen, sowie ein warmer Fluss ein für den Pflanzenwuchs ideales Mikroklima, und es gedeihen Pflanzen aus aller Welt. Inmitten dieses Parks liegt ein riesiger Thermalpool mit über 70m Durchmesser, den zu allen Jahreszeiten ein grünlich-braunes Wasser von 37-38° durchströmt.

In herrschaftlicher Position über diesem Thermalbecken steht die "Casa do Parque", eine elegante Villa, die der spätere Inhaber des Parks, der Viscomte da Praia, in der 2. Hälfte des 19. Jhd. bauen ließ. In dieser Villa führt nun das Ehepaar Petersen seit 1998 ihre Slevoyre-Thermal-Kur durch, mit der - jetzt erweitert um das Heilungspotential von Thermen und Quellen - nicht nur eine Revitalisierung von Gestressten und Erschöpften, sondern auch eine Besserung vieler Leiden möglich ist.

Das Dorf Furnas, das den riesigen botanischen Park umschließt, wirkt gemessen an deutschen Kurorten nicht besonders attraktiv, da die eng beieinander stehenden Häuser schlicht, und die Fenster zur Straße oft durch Blendläden, verschlossen sind. Auch wünschte man sich etwas mehr farbliche Abwechslung durch verschiedenfarbige Hausanstriche, denn das weiße Einerlei wirkt etwas monoton. Doch mit dieser Sicht wird man dem Dorf nicht gerecht. Wenn manzum Beispiel durch eine offenstehende Haustür schaut, geht der Blick meist direkt durch den kurzen Hausflur in den Garten - und eröffnet ein Paradies. Hinter den schlichten Häusern verbergen sich üppige Gärten mit oft herrlichem Pflanzenbestand, allen möglichen Obstsorten, und überall rankt und blüht es. Die Azoreaner verbringen bei diesen milden klimatischen Verhältnissen gut neun Monate im Garten, und dieser wird dadurch ein fester Teil des Wohn- und Lebensraumes.

Fast eine Stunde genossen Marc und ich in diesem warmen, rotbraunen, stark eisenhaltigen Wasser, das bei einem stresshypertonischen Hypochonder wie mir sofort wirkte. Über zwei Steinspeier schießt heißes Wasser ins Becken und nach einer viertel Stunde unter diesem Wasserstrahl sind die Muskeln entspannt und die Schimmelflecken des Alters von der müden Seele gewaschen.
Unsere gemeinsamen Tage waren ein Cocktail aus viel Humor, Golf, Relaxen, einem guten Hotel, ausgezeichneten Restaurants und außerordentlichen Naturerlebnissen. Mich persönlich hat besonders die Verschiedenheit der Landschaft beeindruckt Als hätte der liebe Gott ein Stückchen Irland, Schottland, Toskana, Südengland, Voralpen und Regenwald auf einer Insel zusammengemischt, die ansonsten mit ihren nachhaltigen Konzepten für sanften Tourismus und umweltverträgliche Entwicklung aufmerken lässt. Dass die Schönheit der Insel ihr Kapital ist, haben die Verantwortlichen offensichtlich rechtzeitig begriffen.
Ein weiterer angenehmer Aspekt, der mir auffiel: Kein Jet-Set, die engen Straßen lassen die PS-Golfer außen vor. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, traf ich meist golferische Individualisten, die sich um ihr Spiel bemühen und für die Apres Golf eher zweitrangig ist.

Wir besuchten die einzige Tee-Plantage Europas, Farnwälder, Kraterseen, heiße Quellen – für die weltberühmte Blumenpracht war es noch etwas zu früh im Jahr. Marcs Lieblingsplatz ist eine futuristische Strandbar am Surfers Paradise mit weitem Blick aufs Meer. Hier könnte er ewig sitzen und beobachten, wie die hohen Wellen anrollen, um an den aufgetürmten Vulkansteinen zu weiß schäumender Gischt zu brechen. Wenn das Wetter einmal nicht mitspielt, empfiehlt es sich, den milden grünen Tee „Cha Gorreana“ zu genießen, etwas Kultur zu tanken oder einfach mal zur Ruhe zu kommen.

Dirk Petersen* schreibt: „Das Wort "Azoren" löst in der Regel Assoziationen wie "gutes Wetter" oder sogar "exotische Inseln" aus. Von diesen Vorstellungen sollte man sich lösen, bevor man sie besucht. Denn: das Wetter ist instabil und launisch, jedoch mild mit Temperaturen kaum unter 12° im Winter und kaum über 28° im Sommer. So empfiehlt sich die Mitnahme von leichter Regenkleidung, aber auch eines Pullovers für kühle Sommerabende.
Die Vorstellung von palmengesäumten Stränden bedarf ebenfalls einer Revision. Zwar sind ausreichende Bademöglichkeiten für die noch geringen Touristenzahlen vorhanden, aber die Strände sind weder weiß (eher beige oder grau), noch palmengesäumt. Ihre Begrenzungen bilden steile Felsen, Weideflächen oder Wald.
Auch südlichen Charme und südliches Flair vermisst man auf den Azoren. Die Architektur ist schlicht und schwer. Die Azoreaner sind eher zurückhaltend. Wolken, die an den Gipfeln höherer Vulkankrater festgehalten werden und dunkle Flecken auf die leuchtend grünen Inseln werfen, geben der Landschaft oft einen ernsten Zug.

Voraussetzungen für Massentourismus scheinen die Azoren also nicht zu bieten, dagegen wird dem Wanderer – egal ob mit oder ohne Golfstock –  viel geboten. Die Pfade der Ziegenhirten an den Berghängen und die Verbindungswege, auf denen früher Fischer ihren Fang in nahegelegene Dörfer brachten und gegen Waren eintauschten, sind zu Wanderwegen ausgebaut worden. Sie bieten spektakuläre Ausblicke auf Meer, Grotten und Schluchten, führen durch wahre Tunnel wilder Vegetation, an Wasserfällen und verlassenen Hütten vorbei. Manche der Wege sind eine sportliche Herausforderung - auch für trainierte. Unterwegs findet der Wanderer in kleinen Obstläden immer ein großes Angebot an zum Teil exotischen Früchten als Wegzehrung für seine Touren. Er kann ein Stück Maisbrot und einen würzigen Inselkäse mitnehmen und ist damit bestens gerüstet. Kristallklares Quellwasser zum Löschen des Durstes gibt es unterwegs in Hülle und Fülle.“

Im Direktflug sind die Inseln ab Deutschland mit Flysata erreichbar, Zielflughafen ist Ponta Delgada auf Sao Miguel. Die beste Wahl, wenn man vollkommen unabhängig sein möchte, ist ein Mietwagen.  Auf den verschiedenen Inseln werden auch Whale-Watchingtouren angeboten.

Links:
Golf Akadamie Marc Amort
Golfplätze: AzoresGolf Islands
Reiseveranstalter: Azoren Archipel

Allgemeine Informationen:
Azoren.at (Ausführliche Informationsseite mit Schwerpunkt Golf)
Azoren-Online (Das Portal der Azoren)
Azoren-Links (Reiseberichte, Tipps und Links)
Mehr zur SlevoyreTHERMALKur

Stern-Bericht über die Heilwasser-Therapie in Furnas
Fly SATA: Nonstop in 4 Stunden ab Frankfurt auf die Azoren!

Credits: Vielen Dank an Dirk Petersen für seine Hintergrundinformationen und Textbeiträge!

 

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