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Deutschland hilft
Endlich haben Deutschlands Golfer was zu lachen

Der Golfsport mit seiner jahrhundertealten Tradition der Verzweiflung und Verbitterung wird Sie auf unbekannte Bewusstseinsebenen und in neue Dimensionen der Selbsterfahrung katapultieren. Bald begegnen Ihnen die klassischen Fragen der Golfphilosophie: Wer bin ich, warum bin ich, warum bin ich hier und warum tue ich mir das an?

Um es klar zu sagen: Golf macht süchtig, dann eine Weile blöde, dann depressiv. Sie könnten schnell pleite sein. Ihr Weib wird Sie verlassen oder, schlimmer noch, auch mit dem Golfen anfangen. In fünf Jahren werden Sie Ihre Schläger einem Idioten andrehen, der – mit ähnlich glasigen Augen wie Sie damals – am Putting-Grün herumlungert. Sie werden aufwachen und feststellen, dass Sie ein Wrack sind. Die Leber geschwollen, die Hände zitternd. Dies Buch ist also auch ein Dokument der Warnung!

Gleich dem Tantra-Yoga, das auch nicht ohne einen eingeweihten Lehrer praktiziert werden sollte, ist der Golfsport gut geeignet, bei Ihnen schnell alle Sicherungen durchbrennen zu lassen. Unter dem Aspekt der Suchtgefahr ist Heroin, im Vergleich mit Golf, geradezu als niedlich zu bezeichnen. Herpes ist weniger ansteckend. Herpes werden Sie – im Gegensatz zum Golfvirus – auch schneller wieder los.

Die lang anhaltende Rezession, die Konzeptionslosigkeit der Bundesregierung, die Massenpleiten und die Führungsschwäche in den großen Konzernen haben nur eine Ursache: Golf!

Nicht die Steigerung des Bruttosozialproduktes beschäftigt die Gedanken unserer Wirtschaftskapitäne, sondern allein die Steigerung ihrer Bruttopunkte beim Monatsbecher. In Großunternehmen liegen ganze Abteilungen brach.

Komplette Managementetagen sind verschwunden. Wegrationalisiert? Nein! Sanierer haben Probleme, ihre Schäfchen überhaupt zu finden, um sie entlassen zu können. Mittlerweile sehen Sie Kündigungsschreiben an den Spind-Türen der Umkleidekabinen hängen, dem einzigen Ort, an dem unsere Kandidaten zuverlässig auftauchen. Wenn ein Match ansteht, wird gelogen, betrogen und geschoben, damit man aus dem Büro weg kann. Arbeit bleibt liegen, Projekte werden vertagt. Die angeblichen Milliardengeschäfte, die auf den Golfplätzen abgewickelt werden, stellen sich bei näherer Betrachtung als Milliardenpleiten heraus. Headhunter jagen nicht mehr ihren Klienten hinterher, sondern nur noch dem eigenen Handicap. Steuerberater beraten sie nur noch in der Frage, wie sie aus dem Rough rauskommen. Lenker und Denker dieses Landes schlurfen mit irrem Blick durch heimatliche Senken auf der Suche nach Kurtchen, ihrem Lieblingsball.

Warum das alles? Ein Psychologe, der sich bei seinen Recherchen zu diesem Thema dem Reiz des Spiels auch nicht entziehen konnte und längst aufgehört hat zu publizieren, schrieb in einer Golfzeitschrift: »Der Trieb des Menschen mit der Keule vor die Höhle zu gehen, um Beute zu machen, wird in der modernen Technologiegesellschaft nur im Golfsport befriedigt.«

Ich selbst sehe mehr den Aspekt der inneren Suche als treibende Kraft, sich in diesem Spiel zu verlieren. Birgt der Golfschwung das Geheimnis der Vollkommenheit und der Einheit mit dem Universum? Zeigen die vollendeten Kreise in den Tuschezeichnungen der Zen-Meister den Golfschwung? Die Lust an der Schwertkunst der Samurai treibt viele Japaner – einem atavistischen Reflex ihrer Gene folgend – an die Abschläge. Tatsächlich bestätigen aufmerksame Beobachter, dass der japanische Schwung eher dem Versuch gleicht, seinen Gegner zu enthaupten.

Der esoterische Aspekt dieser Kunst, einen Ball von A nach B zu schlagen, wird an manchen Stellen dieses Buches zwischen den Zeilen durchschimmern, obgleich ich nachhaltig davor gewarnt wurde, Junggolfer mit irgendeinem mystischen Schwachsinn zu verwirren. Erst wenn sie verzweifelt mit den Zähnen knirschen, weil ihr Rundumschlag nach dem Ball irgendwo zwischen Jenseits und out of bounds endet, werden auch sie die Golfgöttin anrufen und jeden Hinweis, wie der Dämon zu bannen sei, gierig aufsaugen.

Ich werde mich bemühen, Ihnen die Wahrheit über das zu sagen, was Ihnen bevorsteht, wenn Sie sich dem Weg der weißen Kugel (»Tao Yin«) widmen möchten, wie das Spiel unter Golfmystikern bezeichnet wird. Da ich zu den Füßen der Meister saß (und dabei oft getreten wurde), erlaube ich mir, Ihnen einige persönliche Erfahrungen weiterzugeben. Meine eigenen intensiv erlebten Höhen und Tiefen sowie mein allgemein bekannter Zustand geistiger Zerrüttung geben mir die Legitimation, mich zum Thema Golf unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte Sinn und Unsinn zu äußern.

Mein golferisches Nervenkostüm ist derart hoch entwickelt und fein gesponnen, dass ich, wie es P.G. Wodehouse nennen würde, zu den Rennpferden gehöre, die sich mitten im Rennen auf die Bahn setzen, um nachzudenken. Mein Nachdenken endet dann meist in einem herzzerreißenden Schluchzen.

Jeder, der mit mir bei einem Herrenmittwoch am ersten Tee stand, weiß, dass ich geradezu berufen bin, mich über Nervenschwäche, Erbrechen und Durchfall vor einem Turnier, Reizblase am Abschlag und Kreislaufschwächen mit Psycho-Black-out auszulassen.

Das Bemühen eines »ambitionierten Hobbygolfers«, wie ich mich bezeichnen würde, ein Golflehrbuch zu schreiben, käme dem wohlgemeinten Versuch eines »ambitionierten Hobbyhomöopathen« gleich, eine Herztransplantation durchzuführen! Aber gibt es etwas Schöneres im Golfsport, als einen unbedarften Anfänger zu verwirren? Ich werde Ihnen zeigen, wie Sie in der Golfszene rumhängen und mitreden können, ohne sich zu blamieren.

Ich werde Sie mit einer gesunden Dosis Schwachsinn so auf dieses Spiel vorbereiten, dass Sie jedem Widerling Paroli bieten können.

Auszug aus "Der Weg der weißen Kugel" von Eugen Pletsch

 

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