23.02.2019 - 20:36 Uhr

Letzte Woche fragte mich jemand, warum ich eine solche Abneigung gegen Olympia hätte...

Nach meinem Text ‚Nehmen die was‘, fragte mich jemand, warum ich eine solche Abneigung gegen Olympia hätte. Dabei habe ich wirklich nichts gegen die Idee der Olympischen Spiele und schon gar nichts dagegen, wenn sich Sportler im Wettkampf messen. Ich habe etwas gegen Doping-Heuchelei, Umweltzerstörung, Polizeiaktionen und Korruption im Zusammenhang mit den olympischen Spielen. 

Andererseits sehe ich mir gerne an, wenn ich die Sportler mit glänzenden Augen ins Stadion marschieren, um den Applaus als Lohn für ihre jahrelange Schinderei zu empfangen.

Ob da Golfer mitmarschieren oder nicht, ist für mich zweitrangig. Wichtiger ist das Gefühl und der Gedanke, dass die Menschheit, wenn sie zusammensteht und sich in ihrer Vielfarbigkeit und Vielseitigkeit respektieren und anerkennen würde, immer noch eine Chance hätte, unseren Planeten zu retten.

Dass Nachhaltigkeit, Umwelt und globale Erwärmung auf der Agenda der Olympiade 2016 stehen, dass alle Spieler mit einem Baum-Schössling einlaufen, finde ich eine wunderbare Geste. Die Frage ist nur, was mit den Bäumchen nach dem Einmarsch passiert, wie viele dieser Bäumchen tatsächlich wachsen werden, in einem Land, das für Umweltzerstörung und systematische Brandrodungen der letzten Regenwälder berüchtigt ist.

Wenn die Nationen einlaufen, freue ich mich einerseits für die Sportler, die einen der größten Momente ihres Lebens erfahren, aber – ich kann nicht anders – ich denke auch an jene, die aus Ländern kommen, die unter entsetzlicher Armut leiden, an Sportler, die an Flucht nicht denken können, weil sie sonst ihre Familien zu Hause gefährden, an Sportler, denen Schlimmes droht, wenn sie nicht gewinnen, was manche Diktatoren als persönliche Beleidigung empfinden werden.

Natürlich macht die Gemeinsamkeit unter dem olympischen Feuer Hoffnung auf eine bessere Welt. Ähnlich geht es mir, wenn ich Songs der globalen Aktion „Playing For Change“ auf Youtube höre, bei der Künstler aus aller Welt zusammen spielen.

Ob im Sport oder in der Musik: Die Vision einer im Frieden vereinten Menschheit könnte Wirklichkeit werden, um dann die vielen echten Probleme zu lösen, die wir haben. Das klappt aber nicht, weil der militärisch-industrielle Komplex ständig neue Konflikte anzettelt, um die Reichsten dieser Erde noch reicher machen. Waffenhersteller, durchgeknallte Potentaten und „Global Player“ wetteifern darin, ihre globale Strategien zur Plünderung der Erde in einer Olympiade des Grauens umzusetzen, während ihre korrupten Marionetten den Mannschaften von den VIP-Tribünen des Olympiastadions von Rio zuwinken.

Natürlich sind wir alle Teil dieses Systems, haben Anteil an der Plünderung dieser Welt und wären alle aufgerufen, die Fackel von Olympia zu tragen – ohne dabei die Welt niederzubrennen. Aber wäre es nicht hilfreich, wenn man die, die den Geist von Olympia und die Idee einer vereinten Menschheit ständig zerstören aus ihrer Anonymität herausholen würde? Was wäre, wenn man Politiker, Manager, CEOs und diese anonymen "reichsten Familien der Welt", die ‚Haupt-Profiteure‘ der planetaren Zerstörung, aus ihrer Anonymität holen und sie endlich mal beim Namen nennen würde? Vielleicht wären wir dann einen Schritt weiter.

Als die Fackel das olympische Feuer von Rio entzündete, entfaltete sich ein wunderschönes Planeten-Spiegel-Mandala, wie in einem Science-Fiction-Film. Für einen Moment hatte ich ein Gefühl der Hoffnung. Könnte sich vielleicht doch noch etwas zum Guten verändern, in dieser Welt der Manipulationen, Lügen und Kriege.

Könnte das olympische Feuer die Menschheit irgendwann doch noch erleuchten, anstatt, wie vor einigen Jahren, nur ein paar Tauben abzufackeln?

Nachtrag 2019: Die Antwort auf diese Frage gab der rechtpopulistische Trump-Fan Jair Bolsonaro (PSL), der die Präsidentschaftswahl 2018 durch massiven Einsatz vom Lügen und Intrigen via Facebook gewinnen konnte.

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

 

 

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