13.05.2021 - 10:43 Uhr

Habe mal wieder meine Fotos aus Schottland und Irland und die Bilder von den Reisen mit der „Hon. Flutchers Society“ durchgesehen.

Erinnerungen an meine Schottland-Reisen steigen auf, insbesondere an die  Highlands und den Golfclub Royal Dornoch. Ich hoffe, irgendwann noch mal einige Plätzen spielen zu können, die ich nicht kenne, zum Beispiel Crail. Ich wäre sogar bereit, diesen grässlichen, gechlorten Tee zu trinken und meinen Organismus mit einem „Full Scottish Breaksfast“ zu belasten, auch wenn es meine Cholesterinwerte noch weiter in die Höhe treiben würde.

Leider bin ich mittlerweile etwas sonderlich geworden und habe eine solche Scheu vor Auslandsreisen entwickelt, dass ich mir nur vorstellen könnte, in einem verplombten Behälter nach Schottland verschickt zu werden, der garantiert geräuschundurchlässig ist.
Der Grund: Was vor Jahren noch eine Übersensibilität des Künstlers war, der sich schnell erregte, wenn jemand auf dem Grün mit Münzen in der Hosentasche klimperte oder zu laut zu atmen wagte, hat sich zu einer handfesten ‚Phonophobie‘ entwickelt. Wer das nicht kennt – ich musste es auch erst nachschlagen: Phonophobie heißt, dass mir fast jedes Geräusch gehörig auf den Keks geht. Tickende Wecker und tropfende Wasserhähne waren mir schon immer eine Folter, aber wenn man irgendwann nicht mehr aus dem Haus geht, weil man erwartet, dass man von Akustik-Smog traktiert werden könnte, der den Blutdruck hochtreiben könnte, dann wir es kritisch. Mittlerweile wabert allerorts Dumpfbacken-Musik von Radio Bullshit durch Arztpraxen, Restaurants und Clubhäuser. Warum werden die letzten Refugien der Besinnung mit diesem Müll verstrahlt? Fehlt noch, dass der Vollpfosten von ‚Seitenbacher‘ sein Müsli durch Kirchen-Lautsprecher plärrt.


Ihr seht: Um des Friedens willen bin ich bereit, mir eine Phonophobie zu attestieren. Dabei glaube ich eigentlich nicht, dass ich krank bin, sondern dass die Welt zu laut geworden ist. Ich stehe mit meiner Meinung übrigens nicht alleine da. Auch Eckhart Tolle sagt, dass die heutige Menschheit die größte Geräuschkulisse aller Zeiten produziert. Ich vermute, dass wir uns zudröhnen, damit wir den Müll in unserem Geist nicht wahrnehmen müssen.

Nach den Schottland-Fotos habe ich auch ein paar alte Bücher gesichtet, darunter „This Game of Golf“ von Henry Cotton, indem der Meister die Schwünge und Schlagtechniken seiner Zeitgenossen verewigt hat. Nicht, dass ich daraus viel lernen könnte – aber ich schaue mir solche Bücher gerne an, denn sie wecken in mir immer wieder das Feuer für das Spiel, das manchmal leider abhanden gekommen ist.

 Aber nicht nur mir. Auch Pros, die zu lange im Geschäft sind und anderen Golfern kann man beobachten, dass das Feuer der Leidenschaft verlöscht. Bei Amateuren ist es traurig, aber letztendlich egal. Manchmal ist es sogar besser für sie und ihre Mitspieler, wenn sie ihre Eisen aus dem Feuer nehmen. Aber bei allen, die ihr Geld mit Golf verdienen müssen, ist es fatal. Ein von den eigenen Karriereambitionen frustrierter Golflehrer oder jemand, der irgendwann die Schnauze voll hat vom Golf-Business, hat wirklich ein Problem und wenn nicht er, dann seine Schüler bzw. Kunden.

Aber wer würde einen Pro feuern, weil er kein Feuer mehr hat? Also macht er weiter in seinen „Job“ und manche seiner Schüler lernen tatsächlich etwas Golf. Und die, die es nicht lernen, spielen trotzdem. Das ist das unerbittliche Gesetz in unserem Dschungel der Golf-Leidenschaft.

Ihr  / Euer

Eugen Pletsch 

 

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